Fotografie-Grundlagen

Bildaufbau: wohin die Dinge im Bild gehören

Lektion 7 von 8

Zwei Menschen können an derselben Stelle stehen, mit demselben iPhone, und mit ganz verschiedenen Fotos zurückkommen. Der Unterschied liegt meist im Bildaufbau: was im Bild ist, was draußen bleibt und wo die Dinge sitzen.

Die Idee

Beim Bildaufbau geht es darum, den Blick zu führen. Ein Betrachter schaut ein Foto ein, zwei Sekunden an. Ein guter Bildaufbau sagt ihm, wohin er zuerst schauen soll, und legt ihm unterwegs nichts in den Weg, worüber er stolpert. Eine Handvoll Gewohnheiten bringt dich schon fast ans Ziel.

1 · Setz das Motiv aus der Mitte

Stell dir das Bild waagerecht und senkrecht in Drittel geteilt vor. Ein Motiv auf einer dieser Linien oder dort, wo sich zwei kreuzen, wirkt meist lebendiger als genau in der Mitte. Ein Horizont auf dem unteren Drittel gibt dem Himmel Raum, auf dem oberen Drittel dem Land.

Motiv Horizont auf einem Drittel 4:3 3:2 1:1 16:9 65:24
Links: das Drittelgitter. Rechts: die Bildformate, die Chobial zeigen kann, darunter das breite 65:24 einer XPan.

2 · Halte Horizonte gerade

Ein schiefes Meer oder eine schiefe Skyline ist der Fehler, der am leichtesten auffällt und sich am leichtesten vermeiden lässt. Solange die Neigung nicht klar gewollt ist, halte das Bild gerade.

3 · Vereinfache

Bevor du auslöst, schau auf die Ränder und den Hintergrund, nicht nur auf das Motiv. Ein Mast, der jemandem aus dem Kopf wächst, eine Mülltonne in der Ecke, ein helles Schild dahinter. Mach einen Schritt zur Seite, geh tiefer oder näher heran, bis sie aus dem Bild sind. Die meisten starken Fotos haben weniger Dinge darin als schwache.

4 · Geh näher heran

Wirkt ein Foto leer, warst du wahrscheinlich zu weit weg. Füll mehr vom Bild mit dem, was dir wichtig ist. Geh darauf zu, statt zu zoomen: Wenn du dich bewegst, ändert sich das Verhältnis zwischen Motiv und Hintergrund, beim Zoomen nicht.

5 · Wechsle die Höhe

Die meisten Fotos werden stehend aus Augenhöhe gemacht, deshalb sehen die meisten Fotos gleich aus. Geh in die Hocke, auf die Augenhöhe eines Kindes oder Hundes. Halte das iPhone für eine Straße oder eine Pfütze dicht über den Boden. Fotografiere Essen und Muster von oben.

In Chobial

Jedes Format verlangt etwas anderes. 1:1 mag ein mittiges Motiv und Symmetrie. 3:2 ist das Format des Kleinbildfilms und passt zu fast allem. 65:24 ist ein Panorama: Rück das Motiv zur Seite und lass den Raum die Arbeit machen.

Zehn Bilder von einer Sache

  1. Such dir ein gewöhnliches Motiv aus: eine Tasse, ein Fahrrad, einen Baum. Schalte Gitter und Wasserwaage ein.
  2. Mach zehn Fotos davon, jedes anders: genau in der Mitte, auf einem Drittel, von ganz unten, von oben, ganz nah, mit ruhigem Hintergrund, mit unruhigem, in 1:1, in 65:24 und eins ganz nach Gefühl.
  3. Sieh sie dir in der Mediathek nebeneinander an. Such deine zwei Lieblinge aus und frag dich, was sie haben, das die anderen nicht haben.

Letzte Lektion: das, woraus jedes Foto gemacht ist, das Licht.

Fragen

Muss ich mich an die Drittelregel halten?

Nein. Sie ist ein Ausgangspunkt, der dir hilft, nicht mehr alles genau in die Mitte zu setzen. Symmetrie, ein Motiv mitten in einer weiten, leeren Fläche oder ein Motiv ganz in die Ecke gerückt können stärker sein. Lerne die Regel, dann brich sie mit Absicht.

Wirft die Wahl von 1:1 oder 65:24 einen Teil des Fotos weg?

Nein. Chobial behält den ganzen Sensor. Die Rahmenlinien zeigen dir die Form beim Komponieren, und du kannst sie später mit Zuschneiden im Editor ändern.

Welches Objektiv soll ich nehmen?

Das 1× ist das natürlichste und bei wenig Licht das beste. Das 0.5× übertreibt die Tiefe und passt zu Innenräumen und weiten Himmeln, zieht Gesichter am Rand aber in die Länge. 2× und länger verdichten eine Szene und sind freundlicher für Porträts. Mit den Füßen zu zoomen verändert das Foto mehr als jedes Objektiv.