Ein Histogramm lesen und die Lichter retten
Ein Handybildschirm ist ein schlechter Richter über die Belichtung. Er ist hell, er verändert sich mit dem Raum, in dem du bist, und er kann einen ruinierten Himmel gut aussehen lassen. Das Histogramm ist ein Diagramm der Helligkeit des Fotos, und es lügt nicht.
Die Idee
Ein Histogramm sortiert jedes Pixel nach seiner Helligkeit. Der linke Rand ist reines Schwarz, der rechte reines Weiß, und alles andere liegt dazwischen. Je höher die Kurve an einer Stelle, desto mehr vom Foto hat diese Helligkeit.
Es gibt keine einzig richtige Form. Das Foto einer schwarzen Katze auf einem dunklen Sofa sollte nach links neigen, ein Strand zur Mittagszeit nach rechts. Worauf du achten musst, ist das Clipping: ein Berg direkt an einem der Ränder. Alles in diesem Berg ist dasselbe reine Schwarz oder reine Weiß, ohne jede Zeichnung.
Zuerst die Lichter
Die beiden Ränder sind nicht gleich schlimm. Eine RAW-Datei hält in den Tiefen erstaunlich viel: Was auf dem Bildschirm schwarz aussieht, lässt sich im Editor oft mit Belichtung oder Tiefen aufhellen. Mit den Lichtern ist es anders. Ist der Sensor einmal voll, ist er voll. Ein ausgefressener Himmel ist auch im RAW weiß, und kein Editor holt seine Wolken zurück.
Daraus folgt die nützlichste Regel beim Fotografieren in RAW: Belichte so, dass die wichtigen Lichter gerade noch sicher sind, und hell die Tiefen später auf.
Zebras
Ein Histogramm sagt dir, dass etwas ausgefressen ist. Zebrastreifen zeigen dir, wo. Sie legen diagonale Streifen über jeden Teil des Suchers, der heller als eine Schwelle ist. Liegen die Streifen auf einem weißen Hemd oder dem Himmel, sind diese Details in Gefahr. Liegen sie nur auf einer Glühbirne oder der Sonne, ist das in Ordnung: Die sollen weiß sein.
In Chobial
- Öffne die Steuerung und tippe auf DISP. Links erscheinen vier Schalter untereinander.
- Schalte Histogramm ein. Es erscheint in der unteren Ecke, mit der Gesamthelligkeit und den Kanälen Rot, Grün und Blau.
- Schalte Zebra ein. Unter Einstellungen › Clipping-Schwelle legst du fest, wie hell ein Licht sein muss, bevor die Streifen erscheinen.
Das Histogramm im Sucher misst, was der Sensor aufzeichnet, bevor der Film angewendet wird, denn genau das landet in deinem RAW. Öffne nach der Aufnahme ein Foto und tippe im Editor auf ••• › Histogramm einblenden. Dieses misst das entwickelte Foto samt Film und Änderungen und zeigt dir so, was in der exportierten Datei ausfressen wird.
Auf den Himmel belichten
- Such eine Szene mit hellem Himmel und etwas Dunklerem davor: einem Baum, einem Gebäude, einer Person im Schatten.
- Schalte Histogramm und Zebra ein. Tippe auf das dunkle Motiv. Die Kamera hellt dafür auf, und der Himmel füllt sich wahrscheinlich mit Streifen.
- Zieh das Rad BEL nach unten, bis die Streifen am Himmel verschwinden oder nur noch die Sonne bedecken. Mach das Foto. Es wird zu dunkel aussehen. Das ist so gewollt.
- Öffne es, tippe auf Bearbeiten und nimm das Werkzeug Licht: Hebe Tiefen und Belichtung an, bis das Motiv stimmt. Der Himmel behält seine Wolken.
Als Nächstes die Farbe: warum Fotos orange oder blau werden und wie du entscheidest, in welche Richtung sie neigen sollen.
Fragen
Sollte das Histogramm ein Hügel in der Mitte sein?
Nur, wenn die Szene hauptsächlich aus Mitteltönen besteht. Ein verschneites Feld gehört nach rechts und eine nächtliche Straße nach links. Worauf es ankommt, sind die Ränder: ob sich dort etwas Wichtiges auftürmt.
Warum unterscheiden sich die Kanäle Rot, Grün und Blau?
Weil die Szene Farbe hat. Eine rote Blume kann im Rotkanal ausfressen, während die Gesamthelligkeit gut aussieht, und die Blütenblätter verlieren ihre Zeichnung. Stößt eine Farbe an den rechten Rand, nimm die Belichtung etwas zurück.
Warum ändert sich das Histogramm der Kamera nicht, wenn ich den Film wechsle?
Mit Absicht. Das Histogramm im Sucher misst, was der Sensor aufzeichnet, vor dem Film. Das entscheidet, was in deinem RAW steckt. Das Histogramm im Editor misst das entwickelte Foto, samt Film.